Nika

Warum

Selten stolpert man über Worte, die die eigene grundlegende Lebenshaltung – mag man noch so wohl artikuliert sein – in solchem Ausmaß in ihren Grundfesten zu erschüttern vermag. Dennoch lässt sich unter den tausenden Einträgen eines jeden Wörterbuches mit Leichtigkeit ein solches Werkzeug finden. Mag es doch als simples Adverb im Alltag dem üblichen Sprachgebrauch dienen, so kann es – manch Zungen mögen behaupten, aus schier böser Absicht heraus – als Mittel Verwendung finden, das eigene Gewissen dazu zu verführen, seine Werte und gesellschaftlichen Standpunkte zu hinterfragen, oder geschärft ähnlich einem Dolch gen den eigenen Hals gelegt zur existenziellen Krise führen.

Nicht immer ließ ich mich darauf ein, zum Teil auch wehrte ich mich mit aller Kraft selbst simplen Hirngespinsten mithilfe dieses Werkzeuges entgegenzutreten, seien sie auch nur intrinsischer Natur gewesen. Doch darum soll es nicht gehen. Vielmehr soll der Inhalt dieses Textes als Darstellung meiner inneren Dialoge und Schlussfolgerungen ein Bild meiner Sichtweisen zeichnen.

In tagtäglichen Konversationen ist es unumgänglich das Wort – oder ein Gleichbedeutendes – zu verwenden, richtet man den Blick jedoch auf die gleichen fünf Buchstaben in philosophischem Kontext, so findet es kaum Anwendung für mich. Eine Hinterfragung des Sinnes des Lebens und die Frage nach einem Schöpfer, nach einer größeren Ordnung ergeben sich aus meiner Sicht schon alleine aufgrund des mir innewohnenden, subjektiven Verständnisses nicht. Der Lebenssinn mag viele beschäftigen, für mich jedoch bedarf er kaum Denkarbeit, da es ihn in dem Sinne, in dem die Suchenden ihn verstehen, in meiner Welt schlichtweg nicht gibt.

Mein Leben hat keinen Sinn – mein Leben ist. Es existiert. Bedeutungslos und ohnmächtig – nichts als ein unermesslich kleines Plätschern, kaum länger andauernd als ein Wimpernschlag angesichts der immensen Weiten des Universums, das ebenfalls seinerseits nichts als unbedeutend ist. Wir sind nichts. Ich bin nichts. Es ist. Nicht mehr und nicht weniger. Sinnfrei.

Lange Zeit weigerte ich mich mein Weltbild über Knöcheltiefe hinaus zu hinterfragen, doch wozu? Ist doch meine Sicht aufs Leben heute leichter zu verdauen als ein klägliches Leben lang dem Lebenssinn oder Göttern nachzutrachten, über deren Existenz man sich doch niemals gewiss sein kann.

Wo liegt der Sinn darin, nach etwas zu greifen, das sich schlussendlich in Luft auflöst? Konstrukte wie Götter oder Sinn, gleich wie Gut und Böse sind gesellschaftlich initiierte Gebilde, die es einem aufzwingen, eine klaustrophobische, warm scheinende und gleißend helle Zufluchtsstätte aufzusuchen, um sich dem Kontakt mit der neutralen, emotionslosen und schlichtweg unbedeutenden Realität zu entziehen.

Warum also in ein „schützendes“ Haus einschließen lassen, anstatt das Leben ohne Bindungen, unbedeutende Sinnfragen und einschränkende Ungewissheit auszureizen und sich den Menschen und Dingen zu widmen, die einem unter all der Altlast tatsächlich am Herzen liegen.