Nika

Liebe

Liebe ist Liebe, oder nicht? Es scheint als können manche mehr von ihr geben oder empfinden als andere und als fühle sie sich auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich an. Kann sie doch so grundverschieden wirken und in Erscheinung treten, so gleicht sie als Art der emotionalen Kommunikation über scheinbar jegliche Barriere hinweg einer Universalsprache.
Die sich meist spontan schon zu Beginn zwischenmenschlicher Kontakte abzeichnende gefühlsmäßige Zuneigung und einvernehmliche Anerkenntnis legen das Fundament, das mit zunehmender Anziehung zur stärksten Form von Sympathie und Wertschätzung – der Liebe selbst – heranwächst. Sie übersteigt jeden Nutzen konventioneller Verbindungen zwischen menschlichen Wesen und ist durchtränkt von warmherziger und tiefster Verbundenheit, während sie Ausdruck durch zueinander strebender Zuwendung findet, die sich in einer unendlichen Auswahl an liebenswürdigen Handlungen spiegelt. Sie ist unbewusst. Keine rationale Entscheidung.

Wie sich die eigenen Erfahrungen mit ihr abzeichnen, lässt sich abseits der oftmals zitierten Love Languages und Beziehungstypen auf ein einzelnes, so simpel auszusprechendes Merkmal reduzieren: eines jeden Menschen individuelle Beziehung zur Liebe an sich. Das Verhältnis zu den einem selbst innewohnenden Gefühlen und das Verständnis über sie.
Je näher und vertrauter man diesen ist, desto selbstsicherer und offener kann man mit den eigenen und denen anderer umgehen. Liebe soll gelebt werden, unabhängig jeglicher vermeintlicher Einschränkungen.

Was ihr im Weg steht und sie, sollte sie bereits bestehen, in jedem Moment zu zerstören in der Lage ist, ist Gier. Die stetig wachsende Sucht danach, sich die, einem geschenkte, Liebe einzuverleiben und sie als den einem selbst alleinig zustehenden Schatz wegzusperren. Ein in romantisches Licht getauchtes, gesellschaftlich befürwortetes und gar belohntes Besitzdenken, das heute als Standard und Vorlage gilt, dem sich Liebende zu unterwerfen haben, um Anerkennung zu finden.
Liebe in einen Käfig zu sperren, sie mit Scheuklappen zu versehen und zu versuchen, sie unter Kontrolle zu halten ist falsch. Gleich wie es allen inneren Antrieben widerstreben sollte, dies der Person aufzuerlegen, die einem selbst aus freien Stücken die eigene Seele offenbart und einen mit ihrer Zuneigung überschwemmt. Eifersucht ist eine Seuche, die es auszurotten gilt. Sie baut Wälle, deren unüberwindbare Wände die Leidenschaft in ein Labyrinth des Freiheitsentzuges sperrt.

Liebe braucht Freiheit, braucht Grenzenlosigkeit. Niemand soll gezwungen sein, seine Liebe in Zaum zu halten, nur des, dem gesellschaftlichen Regelwerk entnommenen, Anstandes wegen. Liebe ist organisch, lebendig, sich verändernd. Sie kann sich ausweiten, zurückziehen, für ein Individuum schwinden, für ein anderes aufblühen und gleiche Seelen verbinden. Es liegt weit abseits ihrer Natur, sich für Regeln zu verbiegen. Der Liebe muss freier Lauf gewährt werden, um ihre wahre Schönheit zu entfalten und sich von ihr berauschen zu lassen.